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Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld


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Flächen für die Zukunft

Zur Aufstellung des neuen Regionalplans für Ostwestfalen-Lippe (OWL) hat die Bezirksregierung Detmold einen Zeitplan bis 2022 vorgelegt. Zur Beschleunigung des Planverfahrens wurden verschiedene Akteure um einen Fachbeitrag zur Berücksichtigung der jeweiligen Belange gebeten. Die Industrie- und Handelskammern Ostwestfalen zu Bielefeld und Lippe zu Detmold sowie die Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe zu Bielefeld unterstützen das Verfahren zur Neuaufstellung des Regionalplans OWL 2035 mit einem Fachbeitrag der Wirtschaft. OWL unterscheidet sich von den anderen Regionen in NRW. Diese Besonderheiten sind
im neuen Regionalplan ebenso wie sich abzeichnende Zukunftstrends zu bedenken.

1. Starke Wirtschaft in attraktiver Umgebung

OWL ist geprägt durch eine starke Wirtschaft in einer landschaftlich attraktiven Region mit hohen Qualitäten. Die Wirtschaft verfolgt die Vision, unter Berücksichtigung des attraktiven Umfeldes weiterzuwachsen. Der heimische Mittelstand benötigt gute Voraussetzungen für internes Wachstum – OWL ist eine starke Wirtschafts- sowie Industrieregion und will es über den Planungshorizont 2035 hinaus auch bleiben. In OWL sind 28,9 Prozent der Beschäftigten in der Industrie tätig, in NRW nur 20,6 Prozent. Die Chancen der REGIONALE und als Modellregion für Digitalisierung müssen genutzt werden. Digitalisierungsprozesse werden bis 2035
maßgebend auch für die Wirtschaft sein. Es wird weitere Flächenansprüche der Wirtschaft geben. Haupttreiber sind Transformationsprozesse der Digitalisierung, Dezentralisierung, geänderte Verhaltensweisen und die wachsende Bedeutung der Logistik. 

2. Nachhaltig positive Entwicklung

Die wirtschaftliche Entwicklung in OWL zeigte sich in den letzten Jahren nachhaltig positiv. Mit einer Steigerung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von +19,4 Prozent seit 2009 liegt die Region vor NRW mit ca. +15 Prozent. Die ökonomischen Rahmendaten und Fakten zur Flächennutzung zeigen die große Bedeutung der heimischen Wirtschaft sowohl für Land und Bund als auch für die Region und die Kommunen vor Ort. Die Wirtschaft ist der Wachstumstreiber für OWL . Auf Basis dieser guten Ausgangslage gilt es, die Herausforderungen der Zukunft im Hinblick auf die Bedürfnisse der Bevölkerung, der Umwelt und der Wirtschaft in
Einklang zu bringen.

3. Flächenengpässe

Ostwestfalen-Lippe hat einen Flächenengpass bei Wirtschaftsflächen. Zur Überwindung muss deshalb die öffentliche Debatte über Flächeninanspruchnahmen von Gewerbe und Industrie versachlicht werden. Die Anteile für Gewerbe und Industrie an den Gesamtflächen von Land und Region betragen 2015 in NRW 2,18 Prozent, in OWL lediglich 1,42 Prozent. Heimische Unternehmen beanspruchen nicht nur deutlich weniger Flächen als angenommen, sondern gehen aus eigenem Interesse vielfach sorgsam damit um. Auch dies wird im Vergleich OWL zu NRW deutlich. Des Weiteren muss die Versorgung des ländlichen Raums mit einer Vielzahl von Kleinbetrieben aus Gewerbe und Handwerk gesichert sein. Auch kleinere Ortschaften mit weniger als 2.000 Einwohnern benötigen Entwicklungsperspektiven. So ist sichergestellt, dass die bestehenden
erfolgreichen Synergien bewahrt werden und die Versorgungssicherheit für Produkte und Dienstleistungen bestehen bleibt.

4. Randlage in NRW

Aufgrund der Randlage Ostwestfalen-Lippes besteht eine Flächenkonkurrenz mit den benachbarten Bundesländern Niedersachsen und Hessen. Die Region muss hier wettbewerbsfähig sein. Gewerbliche und industrielle Entwicklung braucht Raum. Um die wirtschaftlich positive Entwicklung nicht zu gefährden, halten wir diese Aspekte für notwendig:

- Eine Beschränkung auf die Wiedernutzbarmachung von Brachflächen ist völlig unzureichend und kann den nachgefragten Bedarf nicht adäquat decken.

- Die zusätzliche Neuausweisung von Wirtschaftsflächen ist dringend erforderlich.

- Marktfähige Standorte müssen mittels Monitoring erfasst und ausgewiesen werden.

- Die Zuschläge bei der Gewerbeflächenbedarfsberechnung sind nicht ausreichend, um Engpässen begegnen zu können.

- Die strukturellen Unterschiede innerhalb der vielfältigen Region OWL erfordern eine differenzierte Betrachtung von Wirtschaftsflächenangeboten.

- Kleinteilige Gewerbeflächen müssen in ASB-Gebieten weiterhin ausgewiesen werden, interkommunale GIB-Flächen sollen vorrangig für Industriebetriebe sowie verkehrsintensive und emittierende Unternehmen entwickelt werden.

Als Modellregion für Digitalisierung in NRW entwickelt OWL dringende Bedarfe. Eine leistungsfähige digitale Infrastruktur ist Voraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg in der digitalen Zukunft. Hier besteht großer Handlungsbedarf. Die für die Region typische Dezentralität von Industrie, Handel und Dienstleistungen erfordert eine leistungsfähige Versorgung mit Breitband und Funk, vor allem auch des ländlichen Raums.

Der Logistikstandort OWL besitzt großes Potenzial zur Weiterentwicklung: Industrielles Wachstum erfordert eine hocheffiziente Logistik. Industrielle Produktion und logistische Dienstleistungen sind eng verknüpft. Die Verknüpfung der Verkehrsträger ist für eine wachsende Wirtschaft unerlässlich. Erforderlich ist ebenso ein ausreichendes Angebot für Gewerbe-, Industrie- und Logistikflächen an Verkehrsachsen.

Zentren bildender Einzelhandel bleibt für die Stadt- und Ortsteilzentren prägend und ist Hauptmagnet der Zentralen Versorgungsbereiche (ZVB). Einzelhandelsbetriebe mit einem zentrenrelevanten Kernsortiment dürfen nur in ZVBs angesiedelt werden. Flächen in Gewerbe- und Industriebereichen (GIB) müssen für produzierende bzw. emittierende Gewerbe- und Industriebetriebe vorgehalten werden.

Die Wirtschaft in der Region ist auf eine verlässliche und berechenbare Energiepolitik angewiesen. Die Unternehmen müssen sich darauf verlassen können, dass die Erreichung der Klimaziele im Rahmen der Energiewende nicht zulasten der Versorgungssicherheit und der Wettbewerbsfähigkeit geht. Standorte für Kraftwerke und Stromtrassen müssen im Bestand erhalten und technisch ertüchtigt werden. Neue  Standorte und Trassen werden außerdem benötigt.

Die langfristige Sicherung der Rohstoffversorgung, auch über den Planungshorizont hinaus, ist eine bedeutende Aufgabe der Regionalplanung. Die Ressourcen vorhandener Lagerstätten müssen effizient genutzt werden, neue Abbaugebiete sind in fachgerechter Abwägung sowohl qualitativ als auch quantitativ zu beurteilen. Die aufgrund des knappen Deponieraums bestehenden ökologischen und ökonomischen Belastungen (beispielsweise durch lange Transportwege) verlangen eine differenzierte Betrachtung und Behandlung. Die Wiederverfüllung von Trockenabgrabungen mit anschließender landwirtschaftlicher Nachnutzung würde hier Abhilfe schaffen.

5. Die Zukunft im Blick

Der neue Regionalplan muss heute schon Aussagen für die sich abzeichnenden Zukunftstrends und Szenarien beinhalten. Digitalisierung wird nicht zu einer generellen Flächenersparnis führen – im Gegenteil: Zur Fortführung der erfolgreichen Bestandsgeschäfte und zur Umsetzung von digitalen Geschäftsmodellen werden weiterhin Flächen benötigt. Es sind Flächenangebote für die Wirtschaft zur Erweiterung und  Neuausrichtung notwendig; sogenannte harte Standortfaktoren wie Erreichbarkeit und Infrastruktur bleiben weiterhin relevant. Rückkehrende Fertigungsprozesse werden Flächenbedarfe auslösen – ebenso wie neue Formen der Logistik sowie die Entwicklung von Mobilität und Wirtschaftsverkehr. Flächenqualitäten und Gewerbestandorte müssen auf kommunaler Ebene für GIB, für Logistik, für Gewerbe im ASB sowie für Gewerbe in Außenbereichen definiert werden. Dazu können Fortschreibungen und Verstetigungen der begonnenen Gewerbeflächenkonzepte dienen.

Als Maßnahmen regt die Wirtschaft Konzeptionen für ländliche Räume, interkommunale Kooperationen, den Dialog mit anderen Interessenvertretungen, neue Planzeichen und Darstellungen sowie eine aktive Regionalentwicklung über den Regionalplan hinaus an.