Konjunktur trotzt allen Turbulenzen

Zuversichtlicher Start der Konjunktur ins neue Jahr: Stv. IHK-Hauptgeschäftsführer Harald Grefe, IHK-Geschäftsführer Dr. Christoph von der Heiden, IHK-Präsident Wolf D. Meier-Scheuven und IHK-Hauptgeschäftsführer Thomas Niehoff (v.l.) präsentierten die aktuellen Konjunkturergebnisse für die Industrie.
 16.03.2017  Standortpolitik

IHK-Umfrage Frühjahr 2017:

Die Wirtschaft in Ostwestfalen startet im Branchendurchschnitt mit viel Schwung ins neue Jahr. Zu diesem Ergebnis kommt die Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld (IHK) in der Auswertung ihrer Frühjahrskonjunkturumfrage, an der sich 1.761 Unternehmen mit 146.350 Beschäftigten aus Industrie, Handel und Dienstleistungen beteiligten. "Die Geschäfte verlaufen weiterhin auf hohem Niveau und auch die Geschäftserwartungen für die kommenden zwölf Monate trotzen den Turbulenzen und zeugen von Zuversicht", betonte IHK-Präsident Wolf D. Meier-Scheuven bei der Vorstellung der Ergebnisse.

Der Konjunkturklimaindikator, der die momentane Lageeinschätzung der Betriebe mit ihren Erwartungen in Relation setzt, ist für die gesamte Wirtschaft in Ostwestfalen - inklusive Handel und Dienstleistung - nahezu auf dem Herbst-Niveau geblieben und nur leicht von 135 auf aktuell 133 Punkte gesunken. Für die Industrie hat er sich in diesem Zeitraum von 139 auf 134 Punkte abgeschwächt.

In der Industrie sind sowohl die Einschätzungen zur momentanen Geschäftslage als auch zu den Erwartungen weiterhin erfreulich: 58 Prozent der Betriebe bewerten ihre derzeitige Geschäftslage mit "gut" (Herbst 60 Prozent), nur 4 Prozent als "schlecht" (Herbst 4 Prozent). Von einer Verschlechterung in den nächsten zwölf Monaten gehen nur 9 Prozent aus (Herbst 8 Prozent), von einer Verbesserung 26 Prozent (Herbst: 33 Prozent).

Meier-Scheuven: "Nicht zum ersten Mal müssen wir feststellen, dass die Welt um uns herum nicht kalkulierbarer und sicherer geworden ist. So waren auch im Rahmen der jetzigen Konjunkturumfrage die Vorzeichen nicht alle positiv. Insbesondere die Gefahren für den Freihandel durch nationalistische und protektionistische Tendenzen sind mit dem Brexit und den ersten Ankündigen aus den USA eher gestiegen. Hinzu kommen sich weiter verschärfende oder weiter schwelende Konflikte in der Türkei, Russland oder dem Nahen Osten."

Die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen bleiben das meist genannte Risiko (53 Prozent der Befragten) für die weitere Entwicklung. Bei den dort erstmalig zugelassenen offenen Nennungen wurden oft "USA", "Brexit", "Russland" oder "Trump" genannt. Angesichts der globalen Rahmenbedingungen sei es wenig verwunderlich, dass das zweitgrößte Risiko aus Sicht der Industrieunternehmen die Auslandsnachfrage ist (47 Prozent der Nennungen). "Das zeigt, dass unsere Unternehmen trotz gegenwärtig guter konjunktureller Lage die dunklen Wolken am Horizont sehr wohl erkennen und nicht einfach ignorieren", betonte IHK-Präsident Meier-Scheuven.

Nach Angaben von IHK-Hauptgeschäftsführer Thomas Niehoff stieg der Gesamtumsatz des Verarbeitenden Gewerbes im Jahr 2016 in Ostwestfalen um 1,6 Prozent im Vergleich zu 2015 (NRW: -0,7 Prozent, Bund: +0,1 Prozent) auf den erneuten Rekordwert von 40,9 Milliarden Euro. Dabei nahmen sowohl die Inlandsumsätze (+0,7 Prozent) als auch die Auslandsumsätze (+3,2 Prozent) zu (NRW: Inland -1,7 Prozent, Ausland +0,5 Prozent; Bund: Inland -0,3 Prozent, Ausland + 0,5 Prozent). Die Exportquote beträgt aktuell 37,3 Prozent in Ostwestfalen. Die Zahl der Beschäftigten in der ostwestfälischen Wirtschaft wuchs um 2,9 Prozent auf 155.249 an (NRW: -0,3 Prozent, Bund: +0,7 Prozent).

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Die US-Pläne zur Ausweitung der Wirtschaftssanktionen gegen Russland könnten auch ausländische Geschäftspartner russischer Unternehmen treffen – möglicherweise sogar gezielt. Etliche EU-Partner sind irritiert, dass das Vorhaben der USA offenbar auch von eigenen Wirtschaftsinteressen motiviert ist. Auch die deutsche Bundesregierung zeigt eine ablehnende Haltung gegenüber den neuen US-Strafmaßnahmen und deren möglicher exterritorialer Wirkung – aus Sicht des DIHK ein "wichtiges Signal".