IHK-Umfrage: Zwei Drittel können Fachkräftebedarf nicht decken

Informierten über den Fachkräftebedarf in Ostwestfalen: Arne Potthoff, IHK-Referatsleiter Industrie und Volkswirtschaft, Thomas Niehoff, IHK-Hauptgeschäftsführer, und Wolf D. Meier-Scheuven, IHK-Präsident (von links).
 06.07.2018  Standortpolitik

60 Prozent der Unternehmen können ihren Fachkräftebedarf derzeit nicht vollständig decken, wie eine Umfrage der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld (IHK) zeigt, die am 06.07.2018 der Presse vorgestellt wurde. An der Befragung beteiligten sich 521 Unternehmen aus Industrie (38 Prozent), Handel (19 Prozent) und Dienstleistung (43 Prozent).

"Im Vergleich zu 2014 ist der Anteil dieser Betriebe damit signifikant gestiegen, damals suchte lediglich ein Drittel der Unternehmen Fachkräfte", berichtete IHK-Präsident Wolf D. Meier-Scheuven. "Insgesamt bieten die gut 500 Betriebe aktuell 2.689 offene Stellen an, bisher leider ohne Erfolg."

Rund zwei Drittel der gesuchten Fachkräfte sollen nach Wunsch der Unternehmen die Qualifikation einer dualen Berufsausbildung mitbringen. Es folgen Fachwirte/Meister oder andere Fortbildungsabschlüsse (13 Prozent), Arbeitskräfte mit Hochschulabschlüssen als Bachelor (9 Prozent) sowie als Master oder einem vergleichbaren Hochschulabschluss (11 Prozent).

Unter den Ursachen dafür, dass offene Stellen im Betrieb nicht zu besetzen seien, stehen die mangelnde fachliche Qualifikation und keine oder zu wenige Bewerber ganz oben. Mit etwas Abstand folgen die Ursachen fehlende Berufserfahrung und zu hohe Gehaltsforderungen. Jeder zweite Betrieb gab an, dass Maßnahmen zur Digitalisierung Arbeitsplätze in den nächsten fünf Jahren verändern würden.

"Veränderungen durch Digitalisierung werden besonders in der Finanz- und Versicherungsbranche, der Industrie und im Groß- und Außenhandel erwartet", erläuterte Meier-Scheuven. In den Bereichen Produktion, Service und Technik gingen die Betriebe durch die zunehmende Digitalisierung von einer Beschäftigungszunahme aus, im kaufmännischen Bereich und in der Verwaltung allerdings eher von einem Beschäftigungsrückgang. Der IHK-Präsident wies aber auch darauf hin, dass durch die Digitalisierung neue Jobs in neuen Betrieben entstehen würden, die heute noch kaum bekannt seien.

Ein Blick auf die Sektoren zeige, dass insbesondere die Dienstleister ihren aktuellen Fachkräftebedarf nicht decken können (64 Prozent). In der Industrie sind es 63 Prozent und im Handel liegt der Anteil bei 47 Prozent. Einzelne Branchen, die stark unter dem Mangel an Fachleuten leiden, sind laut Umfrage die Logistik, die IT, das Gastgewerbe sowie der Maschinenbau und die Hersteller von Metallerzeugnissen.

Auf den Fachkräftemangel wollen die Unternehmen reagieren, indem sie verstärkt ausbilden und Weiterbildung fördern. Anreize zur Mitarbeiterbindung nutzen, Angebote zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie für flexiblere Arbeitsformen stehen ebenfalls auf der Agenda. "Angesichts des demografischen Wandels ist 'mehr ausbilden' natürlich nicht so einfach, wie es sich anhören mag", warnte Meier-Scheuven. Es sei aktuell nicht einfach, geeignete Azubis zu bekommen.

"Die Fachkräftesicherung muss wegen der demografischen Entwicklung noch stärker in den Fokus des Mittelstands rücken", forderte IHK-Hauptgeschäfts-führer Thomas Niehoff. Das Erwerbspersonenpotenzial werde in Ostwestfalen für die Betriebe bis zum Jahr 2040 insgesamt massiv um über 150.000 Personen abnehmen. Auch bei den Kindern und Jugendlichen würden die Zahlen weiter zurückgehen. Deutlich steigen werde aber die Zahl der Älteren ab 65 Jahren (+42 Prozent von 345.000 auf 490.000 Personen). Die Politik müsse die Beschäftigung ausländischer Fachkräfte erleichtern, betonte Niehoff.

Die Ergebnisse der IHK-Fachkräfteumfrage finden Interessenten im Internet unter www.ostwestfalen.ihk.de/standortpolitik/fachkraeftemangel/.

Die Ostwestfälische Wirtschaft - kurz OWi genannt - ist das Wirtschaftsmagazin für die starke Region Ostwestfalen. Blättern Sie hier online durch die aktuelle Ausgabe.

Weitere Informationen zur OWi finden Sie hier.

Die Hauptreisezeit steht vor der Tür, doch nicht bei allen Unternehmen in der Tourismusbranche sorgt das für gute Stimmung. Die aktuelle DIHK-Tourismusumfrage zeigt: Während Reiseveranstalter und -büros sowie die Kongresswirtschaft beste Geschäfte für die Sommersaison erwarten, ist das Gastgewerbe eher verhalten.

Nachstehend finden Sie die vollständige Meldung: