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IHK-Konjunkturumfrage Frühjahr 2010: Wirtschaft befindet sich auf Erholungskurs
(04.02.2010) In vielen Branchen ist die konjunkturelle Talsohle durchschritten, die Richtung der Entwicklung stimmt, es geht wieder aufwärts. Zu diesem Ergebnis kommt die Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld (IHK) in ihrer Frühjahrskonjunkturumfrage, an der sich 2.066 Unternehmen mit 128.831 Beschäftigten aus Industrie, Handel und Dienstleistungen beteiligten. „Die ostwestfälische Wirtschaft ist auf Erholungskurs. Die Stimmung wird wieder besser“, betonte IHK-Vizepräsident Dr. h. c. August Oetker am 4. Februar bei der Vorstellung der Umfrageergebnisse.
„Der Konjunkturklimaindikator, der die momentane Lageeinschätzung der Betriebe mit ihren Erwartungen in Relation setzt, ist zum zweiten Mal in Folge gestiegen: um 16 Punkte auf einen Wert von 106 im Vergleich zur Herbstumfrage“, berichtete Oetker. Der Wert für die Industrie verbesserte sich dabei von 90 Punkten auf 104, im Handel stieg er von 95 auf 99 und bei den Dienstleistern von 87 auf 113 Punkte. „Dass drei der vier Werte wieder oberhalb der 100er-Linie liegen, die die Grenze zwischen einer überwiegend positiven oder negativen Stimmung markiert, gehört zu den positiven Überraschungen unserer Umfrage“. Bei all den erfreulichen Trends und Zahlen müsse aber der enorme Rückgang beim Bruttoinlandsprodukt von minus fünf Prozent im Vorjahr berücksichtigt werden. Oetker: „Viele ostwestfälische Unternehmen sind bei ihrer Auftrags-, Umsatz- und Ertragslage auf ein sehr niedriges Niveau abgesunken. Dies relativiert ein wenig manche erstaunlich gute Zahl.“
Zwar dominierten noch die negativen Stimmen in der Industrie bei der Bewertung der aktuellen Geschäftslage (27 Prozent). „Wenn allerdings in Ostwestfalen 17 Prozent der Industriebetriebe ihre momentane Lage als ‚gut’ bezeichnen und 56 Prozent immerhin mit ‚befriedigend’, können wir feststellen, dass wir angesichts der Schwere der Krise bislang mit einem blauen Auge davon gekommen sind“, erklärte der IHK-Vizepräsident. Sogar 45 Prozent der Industriebetriebe erwarteten steigende Gesamtumsätze, 26 Prozent gingen von fallenden Umsätzen aus. Auch die Investitionsneigung nehme wieder zu: 22 Prozent der Industriebetriebe wollen ihre Inlandsinvestitionen wieder steigern, nur noch 20 Prozent gingen von sinkenden Investitionen aus.
Wer investiere, der müsse sich auch über die Finanzierung Gedanken machen. Das sei in vielen Unternehmen ein Thema, das für Unruhe sorge, denn die Kreditkonditionen hätten sich seit dem Krisenjahr 2009 für viele Betriebe verschlechtert. Oetker: „Ich möchte an den Finanzsektor appellieren, dass er mit großer Sensibilität die Kreditwürdigkeit der Unternehmen analysiert. Viele Finanzinstitute sind mit hohen Steuermitteln unterstützt worden, damit sie die Wirtschaft wieder ausreichend mit Krediten versorgen können.“
Darüber hinaus müssten die Firmen von zusätzlichen Belastungen verschont bleiben, damit sich der wirtschaftliche Trend stabilisieren könne. Der IHK-Vizepräsident: „Die Sanierung der überschuldeten Haushalte in vielen Kommunen beispielsweise darf jetzt nicht auf dem Rücken der Unternehmen erfolgen. Das kurzfristige Mittel Gewerbesteuererhöhung könnte die zarte Pflanze Aufschwung gefährden - und sich im weiteren Verlauf damit auch wieder negativ auf die Kommunen auswirken. Nicht Steuererhöhungen, sondern prosperierende Betriebe füllen den Stadtsäckel nachhaltig!“.
Nach Angaben von IHK-Hauptgeschäftsführer Thomas Niehoff lag der Gesamtumsatz des Verarbeitenden Gewerbes von Januar bis November 2009 exakt -12,6 Prozent unter dem Vorjahresergebnis und betrug 30,5 Mrd. Euro. Niehoff: „Ostwestfalen liegt mit diesem dicken Minus aber immer noch besser als die Industrie im Land Nordrhein-Westfalen mit -22,1 Prozent und Deutschland insgesamt mit -19,4 Prozent.“ Die Beschäftigtenzahl in Ostwestfalen sei um -2,4 Prozent gesunken, in Deutschland um -2,7 Prozent und in NRW um -3,3 Prozent. Die Exporte der ostwestfälischen Industrieunternehmen sanken im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um -21,3 Prozent auf rund zehn Milliarden Euro (NRW: -25,6 Prozent, Deutschland: -21,7 Prozent).
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